Geschäftsmodell-Innovation systematisch angehen

Geschäftsmodell-Innovation: gerade erfolgreichen Unternehmen fällt es schwer, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen. Oft warten sie zu lange bevor sie sich um die Zukunft kümmern und gehen die Aufgabe nicht systematisch an. Befassen Sie sich im Unternehmen mit der Zukunft, solange es dem Unternehmen gut geht. In der Not ist die Risikoaversion deutlich höher.

Unternehmen befassen sich nicht freiwillig mit neuen Geschäftsmodellen

Sind Firmen eher produktorientiert, veredeln sie ihre Produkte immer noch ein bisschen mehr. Erst wenn die Produkte so gut sind, dass Kunden für weitere Verbesserungen keinen höheren Preis mehr zu zahlen bereit sind, denken sie über ihr Alternativen nach. Neue Themen und Geschäftsmodell-Innovation stellen die alten Strukturen in Frage. Das verunsichert zwangsläufig die Mitarbeitenden. Deshalb müssen eine gute Kommunikation und ein klares Change Management zwingend Teil des Innovationsprozesses sein.

Neue Themen sind immer erklärungsbedürftig und müssen erst einmal Eingang in den Alltag finden. In den Unternehmen kümmert man sich dann häufig intensiv um die Inhalte, aber wenig um die Kommunikation, so meine Erfahrung. Dieses Ungleichgewicht können Sie nur vermeiden, wenn Sie den Prozess systematisch angehen.

Geschäftsmodell-Innovation in strategischen Fokusfeldern suchen und finden

Geschäftsmodell-Innovation: Mit kleinen Teams den Anfang machen

Es bringt nichts, willkürlich Themen in die Welt zu setzen. Den Weg weist Ihnen die Analyse der Megatrends und deren Auswirkungen auf technologische, gesellschaftliche und Kundentrends sowie auf das eigene Geschäft. Bei der anschließenden Erarbeitung konkreter Innovationsideen müssen Sie Unternehmensstrategie, Produkte, Märkte und Kundenbedürfnisse ebenso einbeziehen wie die eigene Technologie und die allgemeine Technologie-Entwicklung.

Mein Rat: arbeiten Sie zunächst mit kleinen Teams aus Marketing, Vertrieb, Technologie und Produktmanagement. Diese Teams identifizieren nach einer klaren Systematik Kandidaten für so genannte strategische Fokusfelder, die anschließend zusammen mit der Geschäftsleitung bewertet und ausgewählt werden.

Die Beschäftigung mit der Zukunft stärkt auch die Einsicht der Mitarbeitenden, dass es neue Geschäftsmodelle braucht. Wenn sich z.B. ein Hersteller von Gabelstaplern fragt, was passieren würde, wenn es keine Europaletten mehr gäbe, bringt das alle Beteiligten zum Nachdenken über ihre Daseinsberechtigung.

Am Ende des Prozesses müssen die verschiedenen Ideen bewertet und für die Topthemen ein Businessplan erarbeitet, eventuell in Testmärkten ausprobiert werden. Dieses Ergebnis werden dann in die Organisation zurückgetragen und umgesetzt. Hier beginnt die eigentliche Kommunikationsarbeit für die Führung. Sobald die Information über die angestrebte Veränderung den geschützten Raum der kleinen Teams verlässt, muss informiert, erklärt und ermutigt werden. Aufgaben müssen verteilt und getan werden. Innovation scheitert an der Umsetzung, wenn die Mitarbeiter nicht überzeugt sind.

Neuer Wein in alten Schläuchen?

Auf die Methodik im Innovationsprozess angesprochen, rate ich dazu, genau hinzuschauen. Methoden wie das Business Model Canvas oder der Blue-Ocean-Ansatz können wertvolle Unterstützung bieten, wenn man sich bewusst ist, dass sie den systematischen Prozess nicht ersetzen können, sondern befördern. Das Business Model Canvas ist eine eingängige Darstellung zur Erstellung eines Businessplans, bringt aber inhaltlich wenig Neues. Der große Vorteil ist, dass man mit dieser Methode jedes neue Produkt als eigenes Geschäft betrachtet und so die Idee einem schnellen Test unterziehen kann.

Beim so genannten Design-Thinking geht es vor allem um die Beobachtung von Kunden und die Entwicklung schneller Problemlösungen. Der Blue-Ocean-Ansatz entspricht im Wesentlichen einem strukturierten Brainstorming. Der Ansatz „Jobs to be done“ bildet die Erkenntnis ab, dass Kunden nicht Produkte kaufen, sondern Aufgaben erfüllen möchten. Aus dieser ganzheitlichen Betrachtung entwickelt sich häufig das Angebot von Komplettlösungen. Filtern Sie bei der Methodik und arbeiten Sie den Kern heraus. Ständig neue Ansätze zu versuchen, macht die Mitarbeiter schnell überdrüssig. Sie werden passiv und warten ab, bis der Schnupfen wieder vergeht.

Geschäftsmodell-Innovation: Revolution nicht nötig

Ich sehe die Geschäftsmodell-Innovation nicht notwendigerweise als Revolution. Auch die völlige Digitalisierung eines analogen Geschäftsmodells ist eher unwahrscheinlich. Die Erweiterung ist der richtige Schritt, wenn sie im gleichen Haus und unter der gleichen Marke stattfindet. Man kann durchaus beim Produkt bleiben und mit kleinen Schritten Mut gewinnen. Oder durch Reflexion der Kundenwünsche weitere Ideen gewinnen. So können beispielsweise einzelne Elemente der Wertschöpfung, wie der Vertrieb oder das Preissystem, verändert werden.

Am wichtigsten ist es, die Mitarbeiter für die Veränderung mit ins Boot zu holen. Die Geschäftsleitung sollte auch nicht auf Biegen und Brechen ihre Vorstellungen durchsetzen, sondern den Innovationsteams Vertrauen schenken. Im Falle von unterschiedlichen Meinungen empfiehlt sich zum Beispiel eine begrenzte Testphase. Am Ende sollte es heißen: ‚Wir haben gemeinsam neue Themen definiert, hinter denen wir alle stehen‘.

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